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Mattigkeit

Haben die Politiker in Berlin keinen Spaß mehr an den Energiethemen und damit an den Herausforderungen, die die Berliner Politik unserer Branche inzwischen beschert hat? Auf der IFH/Intherm war des Öfteren zu vernehmen, dass sich innerhalb der politischen Gremien in Berlin eine gewisse „Mattigkeit“ eingestellt hat, wenn die Energiewende zum Thema gemacht werden soll.
Die Begründung wird mitgeliefert: Es gebe ja nun die Gesetzgebung mit dem GEG, die Förderung mit dem BEG, etc. Für die Umsetzung seien jetzt die zuständig, die dies immer wieder gefordert hätten.
Auch wenn am Messe-Donnerstag der Bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Hubert Aiwanger, sich auf der Messe selbst vom Angebot der Branche überzeugte, und wieder deutlich für eine Entidealisierung in Sachen Energiewende und Technologie-Offenheit aussprach, sei man auch in Bayern an die Gesetzgebung aus Berlin gebunden.
Das es ein nervenaufreibendes Thema für die Öffentlichkeit sei, dem könne man nur zustimmen, so der Minister.
Und in dieser Gemengelage zwischen Mattigkeit und Verunsicherung kamen dann die aktuellen Zahlen aus der Heizungswirtschaft – ebenfalls während der Messe – auf den Tisch: Ölheizungen sind in diesen Zeiten im ersten Quartal weiterhin im Plus. Es wird erwartet, dass in 2024 noch einmal mehr neue Öl-Brennwertheizungen eingebaut werden als im Rekordjahr 2023. Bei Gas-Brennwert dürfte es jedoch einen Rückgang geben. Allerdings dürften auch hier immer noch mehr Geräte in Verkehr werden, als in den Jahren vor dem Ausnahmejahr 2023. Dies sei dem geschuldet, so ein Vertreter eines Herstellers, dass nicht wenige Handwerker 3–4 Gas-Brennwertthermen noch selbst auf Lager haben. Abseits der politischen Absichten, die hinter der Energiewende stehen, aber hier der Vollständigkeit ergänzt: Gut für jene Hersteller in diesem Geschäftsjahr, die diese Produkte noch produzieren – und diese dann als Hybridlösungen vermarkten. Und Wärmepumpen? Das Szenario 2024 lautet wohl: rund 200.000 Anlagen finden den Weg zum Endkunden –
darin enthalten ist aber auch Lagerware – die vor allem beim Großhandel steht. Das heißt (ohne Gewähr): vielleicht sind es dann 2024 nur 100.000 Wärmepumpen, die die Fabrikhallen der Hersteller verlassen?

Und wie war die Stimmung in Nürnberg? Mit der Anzahl an Messebesuchern waren die Gesprächspartner der RAS Redaktion erst nach dem Messe-Donnerstag doch eher zufrieden – in Sachen Branchenkonjunktur übt man sich sowohl auf Heizungs-, Klima-, Lüftungs- und Sanitärseite aber weiterhin in Durchhalteparolen. Hoffentlich werden wir zum Ende des Jahres, spätestens aber 2025 nicht weiter auf die Geduldsprobe gestellt.

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