Das Wirtschaftsjournal
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Oventrop

Die drei G´s

Wenn in diesem Monat die Impfpriorisierung aufgehoben ist, denken viele bei den drei G´s vielleicht an die Schlagworte „Getestet, Genesen, Geimpft“. Diese sollen für jeden von uns vorhandene Einschränkungen durch die Pandemie, zumindest ein Stückweit, nun wieder aufheben und das gemeinschaftliche Zusammenleben erleichtern bzw. ermöglichen. Wir drücken uns dafür jetzt alle mal die Daumen…

In der Haustechnik könnten die drei G´s aktuell aber auch für „Gebäudebestand, Grün(es) und Gas“ stehen. Bekannt ist: Der Gebäudesektor steht für etwa 16 % der CO2-Emissionen in Deutschland. Zum Redaktionsschluss kam passend die von „Zukunft Gas“ in Auftrag gegebene Studie „Klimaneutral Wohnen“ der Nymoen Strategieberatung auf den Schreibtisch. Und diese Studie, so die Initiative der deutschen Gaswirtschaft, ermögliche im Wohngebäudebestand eine finanzierbare Reduktion der CO2-Emissionen hin zur Klimaneutralität. Ein zentraler Hebel liege dabei in der Dekarbonisierung des Energieträgers Gas.
Schauen wir kurz in die Studie „mit einer der bisher detailliertesten Gesamtbetrachtungen im Hinblick auf den tatsächlichen Wohngebäudebestand in Deutschland und den entsprechenden Sanierungsmöglichkeiten“. In 974 Kategorien an Bestandsbauten wurden Wege zur Klimaneutralität bis 2050 ermittelt. Ziel der Berechnungen war es, die größtmögliche CO2-Einsparung unter der Randbedingung zu erreichen, dass die Eigentümer der Wohngebäude die erforderlichen Maßnahmen auch finanzieren können. Dabei sind 1.760 verschiedene Sanierungsfahrpläne für alle in Deutschland bestehenden Wohngebäudetypen entstanden. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Klimaneutralität im Wärmemarkt finanzierbar möglich ist. Den größten Anteil an der Reduktion habe dabei der Einsatz von dekarbonisierten Energieträgern. So sollen auch im Jahr 2050 gasförmige Energieträger weiterhin die beliebteste Heizquelle im Wohngebäudebestand sein. Strom, als zweite Säule der Wärmeversorgung, sei vor allem im Neubau als Heizoption attraktiv. „Schon heute heizt die Hälfte der Deutschen mit Gas. 2050 werden es dann fast 60 % sein. Dabei wird der heutige Energieträger Erdgas in den kommenden Jahren und Jahrzehnten sein Gesicht vollkommen verändern“, wagt Dr. Timm Kehler, Vorstand Zukunft Gas, eine Prognose. So werden laut der Studie im Jahr 2050 zwei verschiedene gasförmige Energieträger zum Einsatz kommen: ein Gasmix, der zu 80 % aus Biomethan und 20 % aus dekarbonisierten Wasserstoff besteht und reiner Wasserstoff, der aus grünen, türkisen und blauen Wasserstoffrouten produziert wird. Und das sind die Fragen, die sich die Industrie aktuell – erst recht mit der Bundestagswahl vor Augen – stellen muss: Werden die Weichen für einen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, dann auch für den Gebäudesektor, wirklich gestellt? Auch wenn das gerade beschlossene Verordnungspaket zur Umsetzung des EEG 2021 ein Signal für den Markthochlauf von Wasserstoff beinhaltet. Wird die zukünftige Politik mit einer Anpassung der Öko-Design-Richtlinie die Geräteindustrie unterstützen, um weitere Heizgeräte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, die H2-ready sind? Und was will eine zukünftige neue Bundesregierung wirklich vorgeben und umsetzen? Betrachtet man das aktuelle Produktportfolio vieler Hersteller, so hat man das Gefühl, alle Optionen werden gespielt – von der Wärmepumpe bis zur Brennstoffzelle. Zurzeit ist das Angebot für den Gebäudebestand zumindest noch Technologie offen.


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